Dirk Funhoff Naturfotografie

Texel im September 2020

Ist Texel wirklich eine Alternative zu Helgoland? Das ist die Grundfrage, die es für uns zu klären gilt. Die Robbensituation auf Helgoland entwickelt sich aus der Perspektive der Robben sehr erfreulich, in dieser Wintersaison (2020/21) wurden 631 Kegelrobben geboren. Um die Störung der Robben zu vermeiden und sie nicht zu sehr an Menschen zu gewöhnen, sperren Jordsand / Gemeinde de facto die Düne. Auch wenn das „richtig“ ist, wird das Naturerlebnis für uns im Vergleich zu früher (siehe Archiv) deutlich reduziert. Daher suchen wir nun Alternativen, die sowohl Naturfotografie erlauben wie auch gemeinsame Zeit z.B. bei Spaziergängen oder gutem Abendessen. Außerdem ist die Anreise weniger aufwendig für uns.

Die Anreise nach Texel am Freitag erfolgte problemlos und die Wartezeit an der Fähre war gering. Abendessen bei „De Robbenjager“ war schon vor-reserviert... Und den folgenden Samstag, unser erster Tag auf Texel, widmenten wir einer Rundfahrt mit dem Auto, um uns einen groben Überblick zu verschaffen. Viel gehört hatten wir vom neu geschaffenem Naturgebiet „Kwetsbaar“, was wir natürlich als erstes besuchten. Es gibt da einen Aussichtspunkt, der mit einem fest installierten Svarowski-Spektiv zum Beobachten einlädt - aber die Action ist weit weg. Man wird sehen, wie sich das Gebiet weiter entwickelt und wie zugänglich es für Fotografen tatsächlich wird.

„Los geht es“ dann an Tag Nr. 2.

Es war bewölkt, trotzdem raus zum Sonnenaufgang, schließlich könnte sich ja eine interessante Lichtsituation ergeben (Sonne frei unter der Wolkendecke die sich dann schön rot färben wird). Und dann vielleicht mit einigen Vögeln im Vordergrund (idealerweise ein paar Löffler)? Das sollte in Waalenburg doch sehr gut funktionieren – es gibt offenes Wasser, sicher attraktiv und die Wolken haben zumindest etwas Struktur... oder?

Nun, wie es sich unschwer erkennen lässt, war der interne Visualisierungsansatz nicht erfolgreich. Eigentlich war nichts so, wie erwartet. Aber nun, wir stehen auch am Anfang unseres 2-wöchigen Aufenthalts, es kann also noch werden!

Ein genaues Studium des Wetterberichts bzw. der Vorhersage versprach zwar Sonnenschein, aber morgens bzw. abends zogen immer Wolken vor die Sonne. Vorteil: dann mußte ich nicht so früh aufstehen...

Am Montag, Tag 3,

spazierten wir in der Umgebung unserer Unterkunft am Vormittag ins Renvogelveld. An sich ein schönes Gebiet, in das von einem Aussichtspunkt eine gute Übersicht geboten wird. Für die Spektiv-Fraktion ausreichend, für unsereins selbst mit 800mm und crop keine Chance – selbst für ein Bild „Vogel in Habitat“ reicht es kaum. Außerdem waren überhaupt keine Vögel da, als wir dort waren; vielleicht sind wir zu spät? Schließlich ist Vogelzug-Zeit. Dennoch ein schönes Gebiet und der Rückweg durch die Dünen gefiel ebenfalls. Wetter / Temperaturen ideal für den Aufenthalt draußen in der Natur – was will man mehr?

Am Abend des dritten Tages setzten wir den Beach Rolly ein, der sich auf der Deichoberfläche mit kurz gehaltenem Gras sehr gut ziehen ließ. Leichtes Gepäck: Klappstuhl, Stativ und Kamera mit 200-500 mm und etwas Kleinzeug. Wir waren auf dem Deich bei De Schorren, gegen 18 Uhr.

Auf dem Deich zu sein ist natürlich fotografisch eine Einschränkung – eigentlich nur gut für Flugaufnahmen. Der Blick vom Deich nach unten war nicht besonders spannend – bei mir trat eine gewisse Müdigkeit ein, so daß ich diesen Trupp Löffler erst richtig im Sucher hatte, als sie an mir vorbeiflogen. Glücklicherweise stimmte die Kamera-Einstellung, die Verschlußzeit von 1/1250 reichte aus, die Löffler scharf abzubilden. Ein schönes Beispiel dafür, daß man nicht nachlassen sollte – irgendwann passt es dann doch.

Dienstag, Tag 4, am Strand beim Leuchtturm, vormittags

Von unserem Standort „De Robbenjager“ waren es nur wenige Schritte bis zum Strand. Von dort gehen wir ein Stück nach Norden Richtung Leuchtturm und dann kann man fast endlos den Sandstrand weiter Richtung Süden / De Slufter laufen. Der Strand ist hier sehr breit, so daß sich die Menschen (und Hunde) ziemlich gut verteilen. So fühlten sich diese Sanderlinge auch wohl, entspannten sich und schlossen die Augen. Normalerweise wuseln Sanderlinge auf der Suche nach Nahrung mit hoher Geschwindigkeit den Spülsaum entlang. Aber diese hier blieben sitzen und ich konnte mich langsam heranrobben und einige Fotos machen – bis dann ein Mountainbiker unbedingt zwischen mir und den Vögeln durchfahren mußte... Tja, Rücksicht und Überblick hat leider nicht jeder.

Am späten Nachmittag ging es dann nach De Cocksdorp ins Watt. Viel war nicht los, aber diese adulte Lachmöwe im Schlichtkleid bot die Gelegenheit für einen schlichten Auftritt.

Später dann boten die wuseligen Steinwälzer einen Anlaß sie zu fotografieren: sie kamen zutraulich immer näher auf und ab rennend. Zuverlässig sind sie im Spülsaum aktiv. Nach einer Störung verlieren sie relativ rasch die Scheu und kommen wieder näher. Dieser Vogel hat eine kleine Krabbe gefangen / entdeckt? Ich habe es erst später auf den Bildern gesehen und kann von daher nicht sagen, ob die Krabbe schon tot war. Auf jeden Fall hat er sie nicht verschluckt, vermutlich zu groß dieser Bissen.

Am Tag 5,

einem ruhigen Tag ging ich zum Deich südlich von De Cocksdorp erst später am Nachmittag. Lediglich die Steinwälzer waren wieder präsent. In der Befestigung mit größeren Steinen am Fuße des Deiches präsentiert sich ein Vogel nur kurz.

Donnerstag, Tag 6, Morgenspaziergang

Dieser Blick war 20 min zu Fuß von unserem Chalet entfernt: 5min durch die Dünen und noch 15 min Richtung Leuchtturm und dann umdrehen... es hat schon was, die langen und breiten Sandstrände von Texel. Das gibt es auf Helgoland nicht und – wie schon gesagt – ist der Bewegungsradius auf Helgoland durch die getroffenen Schutzmaßnahmen stark eingeschränkt. Zwei klare Punkte – der Sandstrand ist eindeutig fotografisch attraktiver als die Strände auf Helgoland und die freiere Bewegung (auch dort mit teilweise Ausnahme der Schutzgebiete) ist ein wandertechnisches Plus. 0:2 steht es jetzt im Vergleich für Helgoland gegen Texel bei Heimvorteil für Helgoland.

Am späten Nachmittag bei De Cocksdorp im Watt
An diesem Standort ergeben sich gute Foto-Möglichkeiten am Abend, der Himmel war fast wolkenlos, so daß die untergehende Sonne die Pfuhlschnepfe noch schön beleuchtete. An der Stelle ist es abends länger hell, da der Deich an dieser Stelle weiter weg ist und erst später das Licht blockiert.

Am gleichen Abend bei De Cocksdorp im Watt
Wieder – zuverlässig wie sie sind – ein weiterer Steinwälzer auf Futtersuche in seinem Revier.

Samstag, Tag 8

Der Freitag war fotografisch nicht ergiebig – oder sortiere ich schon zu früh? Vielleicht ist es aber auch so, daß die „Lust“ schon gleich mit der Frage konfrontiert wird, wozu ist das Bild gut? Was möchte ich darüber sagen? Wofür steht es? Alles Fragen, deren Antwort von vielen Faktoren abhängt. Für dieses Bild am 8.Tag am frühen Nachmittag in De Cocksdorp war der juvenile Knutt einfach in Reichweite. Der niedrige Kamera-Standpunkt lässt sich mit der Kombination von Skimmer und Wimberley Gimbal im Watt gut realisieren. Und es ist MEIN Knutt – es gibt sicher Millionen von vergleichbaren Knutt-Bildern, aber eben nicht von mir. Also wäre eine mögliche Antwort auf die oben gestellten Fragen, daß es immer wieder Spaß macht, zu fotografieren, auch ohne den Anspruch auf besonders neuartige Bildgestaltung zu erfüllen oder dramatische Action abzubilden. In Anbetracht der Helgoland-Frage ergäbe sich auch die Möglichkeit, sich fotografisch mehr mit dem Watt zu beschäftigen – also ein neues Thema mit gewissem Bezug zu den Kegelrobben (diese hat man auch schon auf Texel gesichtet), aber eine deutliche Erweiterung. Hört sich gut an! Dann steht es jetzt schon 0:3.

Später Nachmittag, wieder im Watt bei De Cocksdorp – der Austernfischer fischt nach Austern... jedenfalls heisst er doch so. Leider, trotz bohrendem Tiefgang, ohne Erfolg, jedenfalls solange ich ihn im Sucher hatte.

Tag 9, Sonntag,

war der bisher fotografisch ergiebigste Tag für mich auf Texel – da habe ich sechs Bilder herausgesucht, die einen schönen Eindruck der Erlebnisse vermitteln.

Montag, Tag 10, Hafen De Cocksdorp

Das Bild wurde um 18:40 erstellt, der Reiher kam gegen 18 Uhr. Um 18:56 war Niedrigwasser – das war ihm klar. Fotografisch wäre Sonne schön gewesen, der Sonnenuntergang war um 19:41, aber die Sonne war schon jetzt „weg“, verdeckt durch den Deich, der seinen Schatten über das Watt fallen ließ. Der Reiher weiß, das dieser Priel jetzt viele Fische und anderes Getier enthält. Es könnte sein, daß dies der tiefste Priel hier im Watt ist, denn er führt auf die alte Mole zu und ist sicher in der Vergangenheit auch ausgebaggert worden.

Dienstag, Tag 11, wieder im Watt, ca. 1 h vor Sonnenuntergang,

aber ohnehin im Schatten des Deichs beim Hafen De Cocksdorp. Dieser Sandregenpfeifer war ziemlich kooperativ, zumindest lief er neugierig hin und her und manchmal unterschritt er deutlich die Naheinstellungsgrenze meines Objektivs von 6 m. Sicherlich auf Futtersuche, aber was immer er fand, es war entweder so klein, daß ich es nicht erkannte oder er hat nichts gefunden und ist deswegen so hin und her gerannt. Das war auf jeden Fall spannend und anregend. Und es ist ein hübscher Vogel, meine ich.

Donnerstag / Freitag, die Tage 13 und 14 – Landschaft und Strand

Nach einem verregneten Mittwoch war der Donnerstag wieder so wie ich mir Nordsee-Wetter wünsche: windig, aber nicht zu viel, Sonne und Wolken im Wechsel, wirklich frisch und gute Luft. Ein Morgenspaziergang beim Slufter bot Einiges. Am nächsten Tag ein Strandspaziergang um den Leuchtturm herum – es ist schließlich Urlaub! Von daher jetzt auch 5 „Urlaubsbilder“ von Sand, Sonne und Wind.

Tag 15, Samstag, Mittags im Watt bei De Cocksdorp

Eigentlich eine „Un-Zeit“, sagt man so unter (manchen) Fotografen, nur bei Sonnenaufgang oder -untergang sei das Licht „gut“. Nun, das möchte ich relativieren – es kommt darauf an, was man fotografieren möchte. Abgesehen davon, Postkarten kann jeder... Das Wetter war trübe, Sonne definitiv hinter Wolken und alles gleichmäßig unter dem großen Lichtzelt. Für mich eine gute Gelegenheit auch Mittags bei Niedrigwasser zu fotografieren – Sonne wäre tatsächlich nicht förderlich gewesen. Die gleichmäßige Beleuchtung regt auch die Kreativität an, die Pfuhlschnepfen boten sich als Motive an, auch wenn sie weit weg waren.

Zum Abschluß des Tages kam noch ein Graureiher bei der alten Hafenmole vorbei. Hier im Anflug zwischen den Balken der Mole.

Das war dann auch das fotografische Ende des 2. Aufenthalts auf Texel.

Und wie steht es mit der internen Bewertung Helgoland gegen Texel? In Betracht ziehen wir noch die Motivqualität (da sind Kegelrobben interessanter) sowie die Unterkunft und die Anreise. Unterkunft ist vergleichbar, das Angebot ist allerdings deutlich größer auf Texel und bei „De Robbenjager“ fühlen wir uns sehr wohl. Die Anreise ist auch einfacher, also haben wir hier ein 1:2. Insgesamt steht es dann 1:5 und somit ist Texel klarer Gewinner für die Fotoreise im Herbst/Winter. Also werden wir wieder kommen – für September 2021 ist schon gebucht.

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