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Polarlichter-Fotografie - Reise nach Island 9. - 17. März 2013

Im Oktober 2012 hörte ich zum ersten Mal von Polarlicht-Experten, dass gerade 2012/ 2013 besonders günstige Umstände vorhanden wären, so dass die Lichter besonders häufig und stark zu sehen seien. Auch im Vergleich zu den üblichen 11-Jahres-Zyklen würden dieses Mal ungewöhnlich gute Bedingungen zu finden sein.

Das fand ich sehr interessant! Gemeinsam mit einigen Freunden wollte ich nach Island fliegen und versuchen, die Polarlichter zu fotografieren. Wie immer, war die Terminfindung das Schwierigste und es endete damit, dass ich lediglich eine Woche im März die Möglichkeit hatte (Neumond am 11.3. mit berücksichtigt). Meine Freunde hingegen durften ganze zwei Wochen auf Island verbringen und einzigartige Erfahrungen mit dem isländischen Wetter machen…

Insgesamt gab es an fünf Nächten Chancen für Polarlichter und ich konnte davon in drei Nächten diese sehen und fotografieren. >> ausgewählte Bilder sehen Sie oben in der Galerie.

Die Polarlicht-Fotografie empfand ich als gradlinig:
ein gutes Stativ, Spiegelvorauslösung und lichtempfindliche Objektive sind vom Vorteil, da die Belichtungszeit auch bei hohen ISO-Zahlen (bis 3200) im Sekundenbereich liegt.

Wie lange man belichtet ist Geschmacksache:
Wenn man eine realistische Wiedergabe des Gesehenen möchte, dann sollte man eher kurz belichten.
Lange Belichtungszeiten von 15 – 30 s akkumulieren das Licht und erhellen dadurch die Landschaft. Dabei werden eventuelle Bewegungen und Veränderungen der teilweise strahlenförmigen Polarlichter gemittelt und dadurch optisch „verschmiert“.

Inwieweit überhaupt „kurze“ Belichtungszeiten von 2 – 5 s möglich sind, hängt von der Intensität des Polarlichts ab.
Im Nachhinein denke ich, dass etwas Mond-Licht (ca. Viertel-Mond) vorteilhaft gewesen wäre, um die Landschaft besser ins Bild setzen zu können.
Die meisten Bilder habe ich mit 14mm Brennweite erstellt. Bei längeren Brennweiten (50 – 85 mm) ist zu berücksichtigen, das die Sternbewegungen (Bildung von Ellipsen / Striche) schon ab wenigen Sekunden sichtbar werden können.

Bezüglich der Qualität der Polarlicht-Vorhersagen:
war ich persönlich enttäuscht. Ich hatte erwartet, dass es für dieses physikalische Phänomen klare Mess-Werte und Berechnungsmethoden gibt. Für Island gibt es eine sehr informative Übersicht des isländischen Wetteramts
Dort wird sowohl die Wolkenbedeckung als auch die Polarlicht-Intensität vorhergesagt; beides ist relevant.

Die Wolkenvorhersage war ziemlich akkurat, sogar die regionale Verteilung der Wolken wurde bereits zwei Tage gut vorhergesagt.
Die Aktivitätsvorhersage war dagegen nicht befriedigend.
Sie schwankte sehr stark und bewegte sich dann einige Stunden vor der Dunkelheit in Richtung 0 (no activity) oder 1 (quiet).
Dies wurde auch an dem ersten Abend vorhergesagt, wir sahen aber ein für uns sehr starkes Polarlicht – Aktivität 1 war das nicht! Dem entsprachen eher die Sichtungen an den folgenden Abenden.
Somit ist lediglich die Wolkenabdeckung eine Planungshilfe und bei entsprechend klarem Himmel muss man einfach hinausgehen und beobachten.

Die Polarlichter selbst waren an den drei Abenden unterschiedlich.
Der erste Abend war von großen Spiralen und breiten Bändern dominiert.
Am zweiten Abend gab es viele (schwächere) Strahlenbündel und am dritten Abend gab es lediglich ein leuchtendes Band am Horizont. Daher habe ich an diesem Abend auch den beleuchteten Wasserfall mit-fotografiert, denn das Polarlicht allein hätte kein besonders Foto ermöglicht.

Eine Anmerkung zu den Farben meiner Bilder:
Polarlichter entstehen durch Anregung von Stickstoff bzw. Sauerstoff in großer Höhe durch hochenergetische Teilchen des „Sonnenwindes“. Somit kann ein breites Spektrum auftreten:
grünes bzw. rotes Licht durch angeregten Sauerstoff, angeregte Stickstoffatome senden violettes bis blaues Licht aus. Am häufigsten sieht man Grün-Gelb, rötliches Licht sollte auch häufig sichtbar sein. Blaues Licht entsteht in großer Höhe bei hohen Intensitäten und ist selten zu sehen.
Der automatische Weißabgleich der Kamera führt m.E. zu einer Überbetonung des grünen Anteils, daher habe ich teilweise den Weißabgleich manuell im Rohdatenkonverter angepasst, um auch das rote Licht erkennen zu können.

Insgesamt war ich mit diesem Kurztrip nach Island sehr zufrieden.
Island überhaupt ist ein schönes, interessantes Land. Freundliche und hilfsbereite Menschen, technisch gut erschlossen (überall, selbst im Bus, gibt es WLAN!), und eine weitläufige Landschaft sind eine attraktive Kombination, die nicht nur für Polarlicht-Fotografen interessant ist…

Dirk Funhoff

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