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Expeditionsbericht Svalbard 2016:
Longyearbyen und Spitzbergen-Umrundung


Die "Expedition" ist beendet, wir sind wohlbehalten und noch immer begeistert zurück. Eigentlich wollten wir direkt berichten - aber es war einfach zu viel zu sehen und zu erleben. Wir kamen kaum dazu, Notizen zu machen oder im Reisetagebuch zu schreiben. Selbst wenn "nichts" los war, haben wir uns mit netten Mitreisenden unterhalten, den sehr interessanten Vorträgen des Expeditionsteams gelauscht, die Ausblicke genossen, gut gegessen... Und dann gab es überhaupt kaum Internetverbindung unterwegs - wir waren im wahrsten Sinne des Wortes "off-line". Ehrlich gesagt, wir haben sie auch nicht vermisst!

Hier eine kurze Retrospektive aus naturfotografischer Sicht:

 


Tag 12 - Im Bellsund und Isfjorden - 25. Juli 2016

 

Spitzbergen-Umrundung 11. und letzte Etappe

Die Umrundung wird heute abgeschlossen - wir besuchen im Bellsund eine Krabbentaucherkolonie und anschließend Midterhuken, wo wir uns intensiv mit der Tundra beschäftigen können. Danach geht es zurück nach Longyearbyen, womit die Umrundung abgeschlossen ist.

 

 

 

Ein Zodiac auf dem Weg nach Ingeborgfjellet. Die Dünung war relativ stark, die Fahrt somit ziemlich holprig.

 

 

 

Blick über das Gebiet: in der Ebene grasen Spitzbergen-Rentiere, im Steilhang brüten Zehntausende von Krabbentauchern (genaue Zählungen existieren nicht). Wir teilten uns in mehrere Gruppen auf; ich wollte natürlich zur Krabbentaucherkolonie.

 

 

 

Es dauerte eine Weile, aber dann kamen die Schwärme von Krabbentauchern immer näher an uns heran. Wir saßen in einem kleinen Grünstreifen am Rande der Kolonie neben dem Schutt- / Geröllhang, in dem die Krabbentaucher brüten.

Und sie kamen nach einer Weile immer näher heran...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und landeten in unserer Nähe. Die Eier befinden sich in den Lücken zwischen den Felsblöcken. Die Größe der Blöcke ist wichtig: sind diese zu klein, sind die Hohlräume zu eng, um die Eier dort unterzubringen. Sind sie zu groß, könnten auch Polarfüchse an die Eier kommen und dann die Nester ausräumen.

 

 

 

Fotografisch ist der starke Kontrast zwischen den weißen Bäuchen und der dunkelbraunen Kopfpartie bei Sonnenschein eine Herausforderung für die Sensoren.

 

 

 

Unser erhöhter Sitzplatz bot auch einen schönen Blick auf die Gras- und Moosebene - die Tundra, in der die Spitzbergen-Rentiere zwischen silbernen Bachläufen äsen.

 

 

 

Offensichtlich ist das Futterangebot sehr reichlich, so daß immer wieder Verdauungspausen eingelegt werden.

 

 

 

Der Nachmittagsausflug nach Midterhuken bot Gelegenheit, die Flora der Tundra intensiv anzusehen:
Moose und kleinwüchsige Pflanzen. Die Guides setzten einen Perimeter innerhalb dessen wir uns alle frei bewegen konnten. Aus meiner Sicht doch zu frei, denn es war nicht einfach, ein ruhiges Plätzchen innerhalb des Gebietes mit überall herum wuselnden Touristen zu finden, geschweige denn Bilder ohne diese zu kreieren.

Das war auch die letzte Station vor der Rückkehr nach Longyearbyen. Das Wetter war hervorragend, die Sicht sehr gut - und das mitten in der Nacht! Noch ein letzer und schöner Blick auf Longyearbyen im Isfjorden - das Panorama gibt einen kleinen Eindruck. Sicher kann jetzt der eine oder andere Betrachter eher nachvollziehen, warum wir Internet und Co nicht vermisst hatten...

 

 


Tag 11 - Im Hornsund - 24. Juli 2016

 

Spitzbergen-Umrundung: 10. Etappe

Heute besuchen wir drei verschiedene Orte im Hornsund: Burgerbukta, Brepollen und den Konglomeratodden. Das Wetter ist uns wohlgesonnen, nach anfänglich niedrig hängenden Wolken kam zusehendst die Sonne heraus und das Wetter war bis zum Abend sehr schön. Temperatur 11°C, Wind 1bft aus WNW, notiert das Logbuch.

 

 

 

Die Sonne kämpft sich langsam durch den Nebel. Wenn ihre Strahlen dann durchkommen zeichnen sich dramatische Lichterspiele am Himmel.

Fotografische Anmerkung: es ist einfach phantastisch, was die neuen Nikon-Sensoren für einen Dynamik-Umfang haben: mit meiner D700 hätte ich hier ein HDR erstellen müssen, mit der D750 kann ich diese Lichtstimmung mit einem vernünftig belichteten Bild abbilden.

 

 

 

Die Wolken reißen auf, die Sonne scheint auf Gletscher, Meer und Felsberge. Das Panorama von Deck der Ortelius aus zeigt die zwei Hauptgletscher in der Burgerbukta.

 

 

 

Wir fahren mit den Zodiacs zwischen den kleinen Eisbergen umher. Das Eis sieht "normal" aus, bis auf diesen Teil, der wirkt wie eine Schuppen- oder Wabenstruktur aus Eis. So etwas habe ich noch nie gesehen...

 

 

 

Detailaufnahme vom Schuppen-Eis. Was immer genau diese Struktur hervorruft, es sieht bemerkenswert aus.

 

 

 

Ein schöner, aber hier seltener Anblick: ein Papageitaucher im Meer. Einfach herrlich.

 

 

 

Heute ist der Tag der Lichtspiele - die Sonne / Wolken zaubern mit den Lichtstrahlen. Und wenn man dann noch einen hohen Dynamik-Umfang im Sensor hat und etwas mit Lightroom umgehen kann, dann entstehen diese Bilder... Sorry, aber das mußte mal gesagt werden.

 

 

 

Ein gelungener Abschluß dieses Tages: wir landen im Konglomeratodden und laufen hoch zur Seitenmuräne des Gletschers. Ein klassisches Bild: Gletscher, Meeresbucht, Felsen, Geröll.

 

 


Tag 10 - Dolleritnetset - 23. Juli 2016

 

Spitzbergen-Umrundung: 9. Etappe

Heute liegt ein langer Weg vor uns: wir wollen zunächst an Kapp Waldburg auf der Insel Barentsøya eine Dreizehenmöwen-Kolonie besuchen und am Nachmittag dann bei Dolleritnetset auf Edgeøya einen Ausflug machen - d.h. wir wollten...

 

 

 

Der Blick vom Schiff in die Dreizehenmöwen-Kolonie zeigt deren lebhaftes Kolonieleben. Leider bleibt es bei der Betrachtung vom Schiff: weit entfernt, gerade noch mit Fernglas/ Spektiv sichtbar sitzt gemütlich ein Eisbär in der Tundra. Also keine Anladung, kein Besuch der Kolonie.

Unser Eisbären-Zauber (siehe Tag 7 - nachmittags) erweist sich nachwievor als wirksam, vielleicht zu wirksam? Da trösten uns auch die Beluga-Wale, die sehr weit entfernt kurz auftauchen, nicht viel.

 

 

 

Somit fuhren wir weiter nach Dolleritnetset, wo wir an Kapp Lee tatsächlich anlanden konnten. Schöne Landschaft, friedliche Spitzbergen-Rentiere, die in Ruhe grasten und sich über die Besucher wunderten, aber dann doch wieder dem Fressen widmeten.

 

 

 

Den Moor-Steinbrech (Saxifraga hirculus) hatten wir auf unserer Tour bisher noch nicht gesehen.

 

 

 

Einer kleinen Herde Walrosse konnten wir uns hier auch nähern. Der Blick von oben zeigt deren tiefe innere Ruhe und Entspanntheit - sie haben keine Feinde zu befürchten.

 

 

 

Dennoch gibt es hier Überreste von tausenden von Walrossen - auch wenn die noch sichtbaren Knochenreste nicht danach aussehen. Hier befand sich eine Pomoren-Station, die sich auf Walrösser-Fang spezialisierte und Tausende von ihnen abschlachteten - bis es praktisch keine mehr gab. Glücklicherweise erholt sich die Population langsam wieder.

 

 

 

Vom Strand aus sieht man die mächtigen Tiere deutlicher. Sie sind wirklich ziemlich kräftig gebaut..

 

 

 

Mancher fragt sich vielleicht, wozu die großen Walross-Zähne dienen, hier sieht man es ganz deutlich: sie stützen den Kopf beim Nickerchen.

 

 

 

Der Tag endete mit der Sichtung eines Finnwals um 21:40 Uhr - beeindruckend. Der zweitgrößte Wal nach dem Blauwal. Lt. Kapitän sind die Finnwale hier öfters anzutreffen und somit "berechenbarer" als andere Wale. Er reduzierte etwas die Fahrt und wir fuhren für ca. 1 h dem Finnwal "hinterher". Das ist nicht selbstverständlich und alle fanden das super, daß der Kapitän mal von seinem "Kurs abwich". Danke nochmals an Kapitän Ernesto Barría für sein Gespür, stets die richtigen Handlungen im richtigen Moment getroffen zu haben.

 

 


Tag 9 - Torellneset - 22. Juli 2016 Nachmittag

 

Spitzbergen-Umrundung: 8. Etappe

Als nächstes Ziel wird die Augustabukta angesteuert, dort wollen wir bei Torellneset anlanden und den Svalbardmohn suchen und bewundern...

Aber dann hieß es, ein Eisbär sei dort von einem anderen Schiff ("Svalbard Diving Cruise") gesichtet worden. Somit können wir nicht anlanden, auch wenn wir selbst von der Ortelius aus den Eisbären nicht sehen können und die anderen auch nicht mehr. Und es zeigt sich, es ist so eine Sache mit der Kenntnis und den Regeln. Während wir nun mit unseren Zodiacs den Ausflug machen, landet die andere Gruppe (5 Personen) mit ihrem Zodiac am Ufer. Tja, "quod licet jovi non licet bovi" sagte schon der Lateiner...

 

 

 

Von unseren Zodiacs bekommen wir einen schönen Blick auf eine kleine gemischte Herde Walrosse. Und diese haben ein Junges! In der ersten Reihe, ca. ein viertel von links liegt das Kleine direkt vor seiner Mutter.

 

 

 

Plötzlich heisst es "ein Eisbär kommt". Also doch, da ist ein Eisbär und ich hatte schon gedacht, man hätte uns einen Bären aufgebunden ...

 

 

 

Die Warnung galt aber auch der kleinen Gruppe. Diese konnten wegen einer Bodenwelle aus ihrer Position den Eisbär nicht sehen und bewegten sich daher sehr schnell in Richtung ihres Zodiacs, als die Warnung kam. Aber alles gut - der Eisbär interessierte sich überhaupt nicht für die Gruppe.

 

 

 

Aber was wollte er dann? Hier schaut er auf die schwimmenden Walrosse, oder auf die Eiderenten? In beiden Fällen hat er keine Chance: die Enten fliegen weg und die Walrösser sind auch für einen Eisbären keine Beute. Aber vielleicht das Jungtier?

 

 

 

Auch das wohl kaum. Er möchte sich einfach etwas hinlegen...

 

 

 

... selbst die Eiderenten stören ihn nicht...

 

 

 

... und die Walrösser lassen sich auch so gut betrachten. Diese dösen unbeeindruckt vom Bären auch einfach vor sich hin...

 

 

 

... und der Eisbär schließt ebenfalls die Augen und wir fahren zurück aufs Schiff zum Abendessen.

 

 


Tag 9 - Alkefjellet - 22. Juli 2016 Vormittag

 

Spitzbergen-Umrundung: 7. Etappe

Die weitere Fahrt nach Süden verläuft problemlos - die Wetterverhältnisse bieten keine Herausforderung: 10°C, leichter Wind aus Nord.

Zunächst steht ein Besuch der Dickschnabellummen-Kolonie bei Alkefjellet an: 60.000 Brutpaare erwarten uns dort. Es wird ein Ausflug mit Zodiacs und wir können dicht an den Felsen entlang fahren, da es kaum Wellengang bzw. Wind gibt.

 

 

 

Eine Panoramaansicht auf die Kolonie - es wimmelt nur so von Vögeln: auf den Felsen, in der Luft und im Wasser.

 

 

 

Mit dem Teleobjektiv kann man die Menge an fliegenden Vögeln etwas betonen: die lange Brennweite "zieht" das Bild zusammen.

 

 

 

Bei näherem Hinsehen erkennt man, daß praktisch jede freie Fläche von Dickschnabellummen besetzt wird - immer. Was dann tun, wenn man von der Futtersuche zurückkommt? Nun, einfach an "seinem" Platz landen und irgendwie geht es meistens gut. Wenn nicht, wird kurz abgedreht und nach einem Schlenker wiederum die Landung versucht - und dann klappt es auch.

 

 

 

Auch im Untergeschoß, kurz über dem Wasser, sind die Plätze besetzt. Ob die Lummen im Wasser auf einen freien Platz warten, ist unklar. Zu fressen jedenfalls dürften sie dort nichts finden.

 

 

 

Mit dem Zodiac kommen wir teilweise sehr nahe an die Vögel heran. Hier sieht man sehr schön die Unterscheidungsmerkmale zu den Trottellummen, mit denen sie leicht verwechselt werden könnten:

  • weißer Streifen am Schnabel von der Wurzel nach vorne über die Schnabelmitte hinaus
  • Schnabel ist kürzer, kräftiger
  • Weiß am Vorderhals verläuft spitz zum Hals hin.

 

 

 

Letzteres sieht man etwas besser bei diesem von der Kolonie abfliegendem Vogel, aber das sicherste Merkmal ist eben der weiße Streifen am Schnabel.

 

 

 

Unser Schiff, die MS Ortelius, ist umringt von Lummen, die zahlreich auf dem Meer zu sehen sind, das bedeutet: hier gibt es Futter. Somit ein idealer Platz für die Vogelkolonie. Ansonsten ist es nicht selten, daß Bewohner von Vogelkolonien stundenlang fliegen müssen, bis sie ihre Fanggründe erreichen. Übrigens: an dieser Stelle konnte das Schiff nicht ankern, da das Wasser über 250m tief war; länger war die Ankerkette nicht. Aber keine Angst. Die Ortelius dümpelt bzw. driftet dann einfach...

 

 

 

Diese Dickschnabellumme (ja, ich habe den weißen Streifen gesehen und es gibt auch Fotos davon...) hat einen Fisch gefangen - evt. ein Bullhead, dessen Art- und deutschen Namen ich nicht herausfinden konnte.

 

 

 

Es war nicht einfach, die Vögel im Flug zu fotografieren. Hier bestätigt sich, daß Massenansammlungen es nicht nur Raubtieren schwer machen: auch der Fotograf weiß nicht, worauf er fokussieren soll und wenn die Entscheidung fällt, fokussiert der AF nicht... ;-)

Ok, zum Glück hat es manchmal geklappt.

 

 

 

Hier sehen wir einen Hauptgrund, warum die Vögel so im steilen Fels brüten: ein Polarfuchs, der am Fuße der Kolonie in den für ihn noch zugänglichen Teilen nach Eßbarem wie Eiern, Jungtieren, schwachen Altvögeln etc. sucht.

Fotografisch zeigt sich hier auch die Grenzen der gemeinsamen Zodiac-Ausflüge - "unser" Zodiac ist dem Fuchs nur gefolgt, so daß wir ihn maximal von der Seite und nie von vorne gesehen haben, schade.

 

 

 

Eine weitere Gefahr für die Dickschnabellummen - und nicht nur für die Jungtiere: eine Eismöwe mit einem Jungtier. Das hat natürlich auch Hunger...

 

 

 

... und der muß gestillt werden. Hier streiten sich zwei Eismöwen um eine Dickschnabellumme. Es kann noch kein Jungvogel sein, denn diese sind noch nicht geschlüpft. Mir war es neu, daß auch Altvögel von Eismöwen erlegt werden können. Vielleicht war die Lumme geschwächt? Auf jeden Fall eine dramatische Situation und beide Möwen wollten nicht nachgeben, denn dann hätte die andere den Vogel verschluckt. Das ist dann auch nach einer knappen Minute geschehen und die erfolgreiche Möwe ist von dannen geflogen - vielleicht füttert sie nun ihre Jungen?

 

 


Tag 8 - Im Packeis - 21. Juli 2016

 

Spitzbergen-Umrundung: 6. Etappe

Wir fahren weiter langsam durch das Packeis in der Hoffnung, weitere Eisbären zu sehen und ihnen näher zu kommen. Das Wetter bleibt trübe, bewölkt und nur ganz gelegentlich kommt die Sonne etwas durch. Und ganz allmählich verlassen wir das Packeis, fahren nun weiter Richtung Süden, um die Umrundung von Spitzbergen fortzusetzen...

 

 

 

Ein deutlicher Hinweis auf Eisbären: eine tote, teilweise gefressene Robbe. Ein gutes Zeichen, denn der Eisbär hat sich lediglich das Fett und die Muskeln geholt, also das, was ihm am meisten Energie bringt. Der Bär kann es sich wohl leisten, wählerisch zu sein, er ist also gut im Futter und nicht besonders hungrig. Sehr schön, es geht ihm gut!

 

 

 

Vögel begleiten die MS Ortelius. Hier schauen 2 Eissturmvögel und eine Dreizehenmöwe, ob sie etwas freßbares bei uns finden - vergeblich.

 

 

 

Wieder eine Eisbären-Sichtung: 3 Stück sind auf diesem Bild so gerade zu erkennen: 1 Weibchen und 2 Männchen. Das große Männchen im Hintergrund ist einfach weiter gezogen, während sich die beiden im Vordergrund fast wie in der Werbungsphase verhielten: sie lockt ihn immer etwas heran, er folgt, sie läuft weiter, er folgt... und es ist für ihn anstrengend, denn er schien eine Schulterverletzung zu haben. Aber eindeutig war das Verhalten nicht. Alternativ könnte es sein, daß diese beiden jungen Bären Geschwister sind, da das Weibchen kein ablehnendes Verhalten zeigte. Zwar müssen sich Geschwister trennen und allein durchschlagen, aber vielleicht war Brüderchen noch nicht dazu bereit?

 

 

 

Hier springt das junge Männchen über eine Lücke zwischen den Eisschollen.

 

 

 

Ein startender Eissturmvogel, direkt am Schiff.

 

 

 

Blick vom Oberdeck auf die brechenden Eisschollen, die hier von einer Eis- und Dreizehenmöwe überflogen werden.

 

 

 

Nicht ganz schaffte es die Sonne, durch die Wolkendecke zu brechen. Es reichte, um interessante Reflexe auf die Wasseroberfläche zu zaubern.

 

 


Tag 7 - Ins Packeis - 20. Juli 2016 Nachmittag

 

Spitzbergen-Umrundung: 5. Etappe

Zwischen uns und dem Nordpol ist nur noch Eis. Bald werden wir im Packeis sein. Das Wetter sieht nicht gut aus: die Wolken hängen niedrig, die Sicht ist schlecht, aber kein Sturm ist angesagt. Eben ein echter arktischer Sommer. Somit steht einem BBQ im Packeis heute Abend nichts mehr im Wege...

 

 

 

18:04 Uhr
Die ersten Eisschollen zeigen sich. Das Wasser ist jetzt tiefblau, fast schwarz. Es wird kälter - aber +8°C Außentemperatur sind noch nicht dramatisch...

 

 

 

18:26 Uhr
Das Eis wird dichter, die Schollen größer, aber unser packeis-taugliches Schiff pflügt sich einfach durch.

 

 

 

18:36 Uhr
Ein Video zeigt den Blick direkt vom Bug der Ortelius. Leider bin ich kein guter Videograf... die Ruckler kommen vom Autofokus, nicht von der Ortelius. Uns scheint es so, als ob sich das Schiff unaufhaltsam durch das Eis bewegt. Beeindruckend. Auch wenn die Ortelius kein echter Eisbrecher ist, so bringt sie uns doch immer tiefer in das Packeis hinein.

 

 

 

19:35 Uhr
Zeit für das Grillfest. Es findet auf dem Heli-Deck statt, umgeben von Packeis. Irgendwie seltsame Stimmung. Es ist naß-kalt und ungemütlich. Aber die Besatzung grillt hervorragend, alles schmeckt gut - da kommt der Alarm!

 

 

 

19:59 Uhr
Ein männlicher Eisbär kreuzt unseren Weg. Es sieht so aus, als ob er Witterung von unserem Grillfleisch aufnimmt - interessiert es ihn? Kommt er näher???

 

 

 

20:01 Uhr
Leider nein. Es interessiert ihn nicht, oder er weiß schon, daß er ohnehin nichts bekommt - Robben dürften ihm vermutlich auch besser schmecken.

Aber wir haben ihn gesehen, den König der Arktis in seinem Element: Eis. Genauer gesagt, auf seinem Element.

 

 

 

23:37 Uhr
Am Abend: rituelle Beschwörung der Eisbären unter Darbietung auserlesener (natürlich anti-alkoholischer) Opfergaben an der Bar.

Was wir nicht wussten: Die Geister, die wir dabei riefen, werden sich ein paar Tage später mit all ihren Auswirkungen zeigen...

 

 


Tag 7 - Phippsøya - 20. Juli 2016 Vormittag

 

Spitzbergen-Umrundung: 4. Etappe

Wir fahren weiter nach Norden. Gegen 9 Uhr erreichen wir Phippsøya, die größte Insel der nördlichsten Inselgruppe von Svalbard. Von hier bis zum Nordpol befindet sich kein Land mehr - aber unsere Ortelius bietet uns genug festen Boden unter den Füßen und daß dieser manchmal etwas schwankt, kann auch andere Gründe haben...

 

 

 

Phippsøya begrüßt uns verhalten. Die Wolken hängen niedrig, es ist trübe, aber nicht kalt. Das Expeditionslog notiert 8°C.

Wir befinden uns jetzt in der Polarwüste - kaum Vegetation, alles ziemlich kahl. Aber es liegen jede Menge Baumstämme herum - wo kommen die denn her? Ganz einfach: sie sind angeschwemmt. Sei es aus alten Gebäuden, Schiffen, Holztransportern oder anderen Quellen. Die Stämme und leider auch anderer Abfall haben durch die Meeres-Strömungen ihren Weg in diese weitgehend unberührte und unbewohnte Wildnis gefunden.

 

 

 

Unsere etwas trübe Stimmung wird hierdurch gefördert - im Wasser liegt ein Eisbären-Skelett.

 

 

 

Hier ein etwas schönerer Anblick: eine Walross-Herde liegt am Strand. In der gemischten Gruppe sind auch Jungtiere, das ist ungewöhnlich. Normalerweise halten sich zu dieser Jahreszeit die Weibchen mit ihren Jungtieren getrennt von den Männchen in einem anderen Gebiet auf.

 

 

 

Das bedeutet aber auch, daß die ganze Herde sehr aufmerksam ist und sicher auch nervös und skeptisch gegenüber Landgängern. Wir nähern uns daher nur sehr langsam und vorsichtig. Näher als 250 m gehen wir nicht heran und sehen die Tiere trotzdem gut genug.

 

 

 

Der Weg zurück erfolgt über Geröllfelder und auch größere Steinansammlungen. Aber alles kein Problem, wenn man aufmerksam auf den Boden schaut und nicht auf das Smartphone...

 

 


Tag 6 - Idabukta und Monaco-Gletscher - 19. Juli 2016 Nachmittag

 

Spitzbergen-Umrundung: 3. Etappe

Wir blieben im Liefdefjorden und landeten am Nachmittag bei Idabukta (der Ida-Bucht) mit unseren Zodiacs. Keine Eisbären-Sichtung, somit konnten wir auf Entdeckungsreise gehen- natürlich unter dem Schutz unserer bewaffneten Guides.

Am Abend fuhr die Ortelius weiter in den Fjord, an dessen Ende ein großer Gletscher auf uns wartete:
der Monaco-Gletscher, benannt nach Fürst Albert I. von Monaco, unter dessen Regie der Gletscher 1906 kartiert wurde.

 

 

 

Bei Idabukta hatten wir die Gelegenheit, gemütlich einen Eindruck von der Tundra zu gewinnen - oder etwas sportlicher eine Moräne zum Gletscher hinaufzugehen.

Ich habe mich eher auf die gemütliche Variante eingelassen und wollte ein paar Makros machen - so wie hier vom Rasen-Steinbrech (Saxifrage rosacea). Allerdings hätte ich sehr gerne noch etwas mehr Zeit gehabt.

 

 

 

Häufig kommen in der Tundra Moose und Flechten vor - aber hier war mir eine Bestimmung nicht möglich. Unter den dortigen Bedingungen wachsen diese Pflanzen auch sehr langsam, jede Beschädigung braucht Jahre bis zu Jahrzehnten für die Selbstreparatur.

 

 

 

Alpen-Säuerling (Oxyria digyna) im Hintergrund, vorne und hinten links Polster von rosarotem Stengellosen Leimkraut (Silene acaulis) und vorne rechts, das grasartige Büschel ist eine unbestimmte Segge-Art.

 

 

 

Tundra mit Meer und Eisberg im Hintergrund. Das Wetter war trübe, niedrige Wolken vor den Bergen der Umgebung. Aber eigentlich nicht schlecht für Makro-Aufnahmen - wenn nicht der ewige Wind gewesen wäre... und die fehlende Zeit!

 

 

 

Die sportliche Wandergruppe kehrt zurück, Petra war dabei. Auch hier haben wir sicher Spuren hinterlassen, die noch einige Zeit zu sehen und zu spüren sein werden.

 

 

 

Weiter im Fjord hinein finden wir den Monaco-Gletscher. Die Wolken scheinen sich zu bewegen - vielleicht haben wir Glück und es reißt etwas auf?

 

 

 

Tatsächlich kommt etwas die Sonne heraus, hier ein Blick auf den benachbarten Seliger-Gletscher.

 

 

 

Vor der Eisfront fliegen die Möwen vorbei, hier eine Dreizehenmöwe. Deutlich ist der blaue Schimmer des Eises zu erkennen.

Warum ist das Eis blau? Das hier zu sehende Gletschereis wurde über Jahre / Jahrzehnte zusammengepresst und enthält keine Luftblasen mehr. Somit spielen die optischen Eigenschaften des "reinen" Eises die dominierende Rolle. Eis (= kristallisiertes Wasser) absorbiert mehr oder weniger alle Farben, blau aber am wenigsten. Somit bleibt lediglich blaues Licht übrig, das wir sehen und somit erscheint uns das Eis blau. Da die Absorption aber relativ schwach ist, zeigt sich der Effekt erst ab einer gewissen Dicke des Eises. Wenn sich dagegen Luftblasen im Eis befinden, sorgen diese zum einen dafür, daß zwischen den Luftblasen das Eis nicht so dick ist und zum anderen streuen diese Blasen das (weiße) Umgebungslicht gleichmäßig in alle Richtungen und "überstrahlen" somit die eigentliche blaue Farbe reinen Eises.

 

 

 

Eisberg vor Gletscher - der im Hintergrund liegende Monaco-Gletscher ist schon in der Sonne.

 

 

 

Letzter Blick auf einen kleinen Eisberg bei stimmungsvollem Licht.

 

 

 

Wechselnde Lichtverhältnisse sorgen für ein beeindruckendes Panorama von Monaco-Gletscher (links) und Seliger-Gletscher.

 

 


Tag 6 - Andøyane - 19. Juli 2016 Vormittag

 

Spitzbergen-Umrundung: 2. Etappe

Andøyane ist bekannt als Brutgebiet von Eiderenten und Küstenseeschwalben, daher der Name "Enteninseln". Auf den Inseln sind die Vögel vor Polarfüchsen geschützt - allerdings nicht vor Eisbären, die den Inseln regelmäßig Besuche abstatten.

 

 

 

Und tatsächlich - ein Eisbär. Zwar in dem Andøyane gegenüberliegendem Gebiet, aber dennoch - sie sind da! Dieses Bild hat zwar keine besondere Botschaft, außer, daß es eben unsere erste Eisbär-Sichtung auf dieser Reise war. Eisbären-Suchbilder wurden allerdings nicht nur von mir gemacht... :=)

 

 

 

Mit den Zodiacs ging es zu den Inseln. Unser erster Ausflug und so richtig klar war es nicht, ob wir anlanden würden. Vielversprechend war, daß unsere Guides irgendwie aufgeregt waren, aber nicht konkret sagten, was uns evtl. erwartet. Wir fuhren zielstrebig zu der Inselgruppe.

 

 

 

Und das war super - hier sehen wir die Köpfe von Eisbär-Mutter und - Kind, ca. 1,5 Jahre alt - beim Baden. Vorsichtig näherten wir uns den Bären.

 

 

 

Die Bären waren von unserer Gegenwart nicht sonderlich beeindruckt. Nach dem erfrischendem Bad waren sie auch schön sauber (fotografisch wichtig, die Bären an Land werden doch tatsächlich schmutzig und sind dann dementsprechend "dreckig gelb").

 

 

 

Die Bären sind immer auf der Suche nach etwas Eßbarem und untersuchen alles in ihrer Nähe.

 

 

 

Der kleine Bär hat ein Stück Plastikplane gefunden und untersucht es.

 

 

 

 

 

Die Bären waren völlig entspannt, es war ihnen wohl auch langweilig, jedenfalls gähnten sie ausgiebig. Der junge Bär war, wie alle (Bären) -Kinder sehr verspielt und nahm auch alles schön in den Mund. Selbst eine Vogelfeder ist tierisch gut zum Spielen...

 

 

 

Hier ein Eindruck der Gesamtsituation: Die Eisbären waren auf dem Festland, die Menschen in Zodiacs auf dem Wasser. An Land wäre eine solche Nähe nicht möglich, viel zu gefährlich und natürlich, zu Recht, untersagt. Eine Anlandung ist den Expeditionsschiffen verboten, sobald ein Eisbär an Land gesichtet wurde bzw. bekannt ist, daß da ein Eisbär in der Gegend ist.

 

 

 

 

Hier ein Porträt der Mutter. Deutlich ist ein Knopf im Ohr zu sehen (nein, es ist kein Foto eines Steiff-Tieres). Diese Markierung ist Teil eines wissenschaftlichen Monitoring-Programms der Bären. Der junge Eisbär hatte Marken an beiden Ohren. Nicht klären konnte ich, ob darin auch kleine GPS-Empfänger und Datenlogger eingearbeitet sind.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt, die Entfernung zum Bär betrug lt. Exif-Daten 30m. Ein Bär kann an Land mehr als 30km/h erreichen, das sind 8,3 m/s. Hmmmh - ich glaube nicht, daß ich dem Bären an Land so nahe kommen möchte...

 

 

 

Beide Bären streckten öfters mal die Zunge heraus - vermutlich dient das der Kühlung. Bei gut +10°C war es den beiden wohl zu warm, auch wenn sie sich sehr langsam bewegten.

 

 

 

Schön war es zu sehen, wie zärtlich die beiden miteinander umgingen.

 

 

 

Langsam wird es dem kleinen Bären wohl etwas viel...

 

 

 

... so daß die Mutter ins Wasser ging und beide wegschwammen. Wir haben sie mit den Zodiacs nicht verfolgt. Die beiden Bären haben uns über gut 30 min erlaubt, sie in Ruhe zu beobachten und eine Menge Fotos zu machen. Natürlich werden sie uns bemerkt haben, waren aber überhaupt nicht aufgeregt und haben sich ruhig und gelassen bewegt. Allerdings waren sie auch nicht wirklich neugierig. Für Raubtiere eher ungewöhnlich, was m.E. darauf hindeutet, daß sie schon mehrfach Besuch von Zodiacs hatten und sich davon nichts mehr versprechen. Sehr erfreulich ist auch, daß beide Bären wohl genährt waren. Auch der erste Bär, den wir sahen, sah gewichtsmäßig gut aus (sagten die Experten). Somit ist das Nahrungsangebot wohl ausreichend für die Tiere, trotz der höheren Temperaturen und des mangelnden Eises. Denn hier auf Andøyane können die Bären zu dieser Jahreszeit keine Robben fangen und ob die Eier / Küken der dort brütenden Vögel wirklich ausreichen, ist wohl fraglich.

 

 


Tag 5 - Schiffsfahrt und Besuch von Ny Ålesund - 18. Juli 2016

 

Spitzbergen-Umrundung: 1. Etappe

Noch in der "Nacht" fuhr die Ortelius entlang von Prins Karls Forland nach Norden in Richtung Kongsfjorden. Dort liegt Ny Ålesund, ein Stützpunkt von Polar-Wissenschaftlern mit einer kleinen Infrastruktur - und eben auch einem kleinen Souvenirladen sowie dem nördlichsten Postamt der Welt. Die erste Forschungsstation wurde auf Beschluss der norwegischen Regierung 1968 eröffnet. Seitdem entwickelte sich Ny-Ålesund zu einem internationalen Forschungszentrum. Nach einer ausgiebigen "Siedlungs-Besichtigung" ging es weiter per Schiff in Richtung Norden.

Während der ganzen Fahrt gab es Landschaft und Vögel zu sehen.

 

 

 

Blick auf das Prins Karls Forland am Morgen - die Sonne gab eine fast unwirkliche Lichtstimmung.

 

 

 

Zahlreiche Eissturmvögel begleiteten das Schiff und begeisterten die Fotografen. Die Sonne sorgte für eine glitzernde Wasseroberfläche. Man konnte sich auf eine gewisse Regelmäßigkeit der vorbeifliegenden Vögel einstellen und wir hatten somit einen sehr schönen, interessanten und dennoch ruhigen Vormittag.

 

 

 

Am Nachmittag besuchten wir dann Ny Ålesund. Dort gibt es aber nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ihre Studienobjekte. Diese Weißwangen- auch Nonnengänse genannt, leben dort in einem Schutzgebiet und sind sicher die am besten untersuchten / beobachteten Gänse des Planeten. Früher sind Weißwangengänse in Svalbard fast bis zur Ausrottung gejagt worden. Die Bestände haben sich wieder gut erholt. Trotz ihrer sicher vorhandenen Gewöhnung an Menschen (Wissenschaftler, Touristen) sind sie vorsichtig und behalten gebührenden Abstand. Im Luisenpark in Mannheim kommen sie näher... ;-)

 

 

 

Küstenseeschwalben waren vereinzelt vertreten, hier zeigen sie die Geschenkübergabe als Bestandteil des Balzrituals - auch wenn es dafür jahreszeitlich vielleicht etwas spät war.

 

 

 

Auf der Weiterfahrt nach Norden passierten wir Albert I Land, vom Schiff aus sichtbar Richtung Osten. Im Westen sahen wir eine rötliche Lichtzone unter einer Wolkenschicht, das wirkte fast wie ein Sonnenuntergang. Aber das konnte ja nicht sein. Fotografisch waren beide Ansichten nicht so ansprechend, gemeinsam wäre es besser...

Die Lösung: eine Doppelbelichtung bringt Osten und Westen zusammen - tja, wenn das denn nur auch in der Politik so einfach sein könnte. Bei diesen Bildern besteht eben auch immer die Gefahr der Unterbelichtung.

 

 

 

Eissturmvogel vor stillem - und tiefem - Wasser.

 

 

 

Zum Thema Sonnenuntergang: dieses Bild wurde 30 min vor Mitternacht aufgenommen. Nichts mehr von rötlichem Licht / Sonnenuntergang zu bemerken, auch nicht in Richtung Westen.

 

 


Tag 4 - Longyearbyen, Naturfotografie - 17. Juli 2016

 

Heute ist unser letzter Tag in Longyearbyen und ich nutze die Gelegenheit, ein paar der Blumen zu fotografieren, die ich gestern nicht fotografieren konnte.

Hier Silberwurz (engl. Mountain Avens), die allerdings schon etwas verblüht sind - diejenigen Exemplare, die wir gestern auf der Wanderung zum Sarkofagen sahen, waren noch nicht so weit (und somit schöner).

 

 

 

Eine Detailaufnahme des Stengellosen Leimkrauts bzw. der Polsternelke (engl. Moss Campion, Cushion Pink). Der letzte Namen entspricht eher dem normalen Auftreten dieser Pflanze als kleines Blumenpolster.

Im übrigen möchte ich festhalten, daß ich mich auch im 20. Jahr der Rechtschreibreform weigere, "Stängel" zu schreiben.

 

 

 

Der Knöllchen-Knöterich (engl. Alpine Bistort) ist hier von verschiedenem Moosen umgeben.

Tipp: Mit einer Mehrfachbelichtung verschiedener Fokusebenen habe ich versucht, der zentralen Position der weißen Blüten gerecht zu werden, aber gleichzeitig dem Betrachter einige feste Punkte im Chaos des Umfelds zu geben.

 

 

 

Nahaufnahme des einer Gruppe des Knöllchen-Knöterichs. Auf Spitzbergen gibt es keine Bienen o.ä., von daher muß die Bestäubung der Pflanzen von anderen übernommen werden. Hier turnt ein Käferchen (unbestimmt) auf den Blüten herum - vielleicht ist das der Bestäuber?

 

 

 

Unsere zwei Eisbären aus Deutschland haben jetzt endlich ihren Cousin aus Longyearbyen (Mitte) getroffen - und tauschen sich während der gemeinsamen Mittagsrast schon mal über die besten Aufenthaltsorte von wilden Eisbären (polar bears) und über unsere Chancen, diese zu treffen, aus. Hoffentlich klappt es... um 16:00 Uhr ist Boarding auf der MS Ortelius angesagt (Stand: 15:00 Uhr).

 

 

Wir sind auf der MS Ortelius und das ist sozusagen unser letzter Blick auf Longyearbyen, den Hafen und den Isfjorden. Auch das Wetter legt uns einen Ortswechsel nahe. MS Ortelius wartet noch auf eine Reise-Gruppe, die ca. 1:30 Uhr eintreffen wird. Wir gehen nach Sicherheitsunterweisung, Einführung in die Nutzung der Schwimmwesten und einigen Drinks an der Bar in unsere Kabine.

Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass auch Gäste der MS Plancius bei uns aufgenommen wurden. Die Reisenden saßen seit 16.7. im Flieger, der zwar zum Landeanflug auf Longyearbyen ansetzte, dann wg. starken Nebels durchstarten und nach Düsseldorf zurückfliegen musste, da die Flughäfen in Tromsö und Oslo komplett ausgelastet waren.
Die MS Plancius, die schon seit 2 Tagen im Hafen lag, musste aber noch am gleichen Tag ablegen, sonst hätte sie ihre Spitzbergen-Umrundung zeitlich nicht mehr geschafft... Alle beteiligten waren in der Nacht erleichtert und froh als es endlich auf der MS Ortelius hieß: "Leinen los..."

 

 


Tag 3 - Longyearbyen, Wanderung zum Sarkofagen - 16. Juli 2016

 

Sarkofagen ist ein sehr schöner Aussichtspunkt in den Bergen um Longyearbyen und soll eines der Highlights sein. Nun, wir können es nicht selbst beurteilen, denn das Wetter war besch... und bot nun wirklich überhaupt keine (schönen) Aussichten.

Die Moränen-Landschaft wirkt schroff und abweisend - unterhalb der Oberfläche ist das Eis noch in Bewegung und immer wieder verschieben sich Teile des Pfades oder eine kleine Schlammlawine arbeitet sich den Hang hinab. Bei düsterem Himmel, aufsteigendem Nebel oder herunterhängenden Wolken eine unwirkliche Stimmung.

 

 

 

In der Nähe des Lars-Gletschers mußten wir einige kleinere Abflüsse überqueren und fragten uns immer wieder, ob das Eis uns tragen würde, wenn wir dorthin steigen / springen würden. Ein Wurf mit einem Stein brach eine Ecke heraus, d.h. es würde uns nicht tragen und wir suchten besser eine andere Stelle.

 

 

 

Geologisch eine interessante Gegend. In der Vergangenheit (Alttertiär) herrschte auf Spitzbergen durchaus tropisches Klima. Die abgestorbenen Pflanzen bildeten dann die in der Neuzeit abgebauten Kohlevorkommen, trugen aber auch stark zur Fossilienbildung bei. Hier ein größeres Stück mit versteinerten Pflanzen am Rande des Gletschers, der immer wieder neues Material an die Oberfläche befördert.

 

 

 

Die Dynamik des Gebietes sieht man auch an diesem Fluß - er fließt durch ein Geröllfeld, welches er im Frühjahr bei einsetzender Schneeschmelze selbst bildet. Und ständig ändern sich die Teilströme des Flusses, so daß sich keine Brücke lohnt.

 

 

 

Am Abend wieder den Kontakt zu Eisbären gesucht - in der Barentz-Bar des Hotels. Noch ein gemütliches Abendessen, denn morgen heißt es: "Leinen los".

 

 


Tag 2 - Longyearbyen, Fahrt mit Schlittenhunden - 15. Juli 2016

 

Heute keine Naturfotografie, dafür ein Natur-Erlebnis: Schlittenhundefahrt mit Wagen. Eingekleidet mit kompletter Schutzkleidung, die uns "Green Dog Svalbard AS" zur Verfügung stellte, ging es los. Die Schlitten-Hunde waren sehr aktiv, aber bei gut +11° war es für die Tiere schon zu warm. Daher mussten wir regelmäßig anhalten, um ihnen eine Trink- und Verschnaufpause zu gönnen. Der Stop wurde auch gerne von den Teilnehmern genutzt, um sich die Beine zu vertreten und die herrliche Landschaft zu genießen. Nach der Fahrt konnten wir die Welpen betrachten - für die Hundezüchter echtes Kapital. Und sie waren alle sooo süß!

 

 

 

Gut, dass Digitalkameras noch keine Gerüche aufnehmen können. Die Kleinen fraßen an den Resten einer geschossenen Robbe, die nicht mehr ganz frisch war und bestialisch stank. So wie sich in der freien Natur die Polarfüchse gerne den Resten der von Eisbären erlegten Robben widmen, so sind es eben hier die Schlittenhunde, die die Reste der von ihrem Besitzer (mit Genehmigung) erlegten Robbe fressen. Nur die Reste? Wir haben jedenfalls nicht gefragt, was denn der Jäger so aß...

Landschaftlich wäre das befahrene Tal Adventdalen bei etwas mehr Licht sicher fotografisch interessant gewesen. Tiere haben wir, wohl auch wg. der Hunde, während der Fahrt nicht gesehen. So bleibt nur die Vorstellung, was sich bei Schnee und Sonne ergeben könnte. Ein Grund, nochmal zu einer anderen Jahreszeit hierhin zu kommen.

Interessante Beobachtungen haben wir gemacht: Eiderenten haben sich in der Nähe von Hundezwingern zum Brüten und Aufzucht ihrer Jungen niedergelassen. Die natürlichen Feinde, die Polarfüchse, trauen sich nicht in die Nähe der Hunde. Das Hundegebell vertreibt sie. Die Hunde selbst laufen nicht frei herum und sind somit keine Gefahr für die Enten.

 

 


Tag 1 - Longyearbyen - 14. Juli 2016

 

Longyearbyen ist der zentrale Ort auf Spitzbergen, der Hauptinsel der Inselgruppe "Svalbard".
Mit ca. 2.500 Einwohnern ist Longyearbyen, die weltweit nördlichste Besiedlung, überschaubar. Jedoch wird für seine Bewohner als auch für die Besucher alles an Infrastruktur sowie eine Vielzahl von Ausflugsmöglichkeiten und Aktivitäten geboten.

 

 

Einen ersten Eindruck bietet der Blick aus unserem Hotelzimmer.

Die großzügige Bebauung bietet genug Zwischenräume für eigenständigen Bewuchs, so z.B. durch Wollgras.

 

Die Rentiere hier bilden eine eigene Unterart - das sogenannte "Spitzbergen-Rentier". Es hat keine natürlichen Feinde, wurde allerdings früher stark bejagt. Seit 1925 steht es unter Schutz, seitdem hat sich die Art wieder erholt und ist nun lediglich durch das Angebot an Nahrung in seiner Verbreitung begrenzt.

 

 

 

In der Nähe des Friedhofs grasen die Rentiere ziemlich unbeeindruckt von den Menschen - auch wenn ihnen die Lebenden nicht ganz geheuer sind und daher skeptisch beäugt werden.

 

 

Mehr zu Svalbard demnächst. Oder besuchen Sie uns direkt auf Facebook (auch ohne Registrierung möglich!)

 
 


Dirk Funhoff

 
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